Burgfestspiele Freudenberg am Main
1987von Paul und Gerda Pagel
Zielsetzung des Stückes unter Berücksichtigung des Inhalts:
Das Stück konzentriert den
historischen Sachverhalt auf wenige Tage des Jahres 1499, wo die Burgerweiterung und der
Bau des Rathauses weitgehend abgeschlossen waren und ihren Bestimmungen übergeben wurden.
Gezeigt werden soll die schwierige Lage der Freudenberger Bevölkerung, die aus der Bauwut
und Streitsucht des Grafen resultiert. (1. Szene Tagelöhner Ägidius; 2. Szene Gasthaus
,,Ritter").
Im Mittelpunkt des Stückes steht der Burggraf Asmus, dessen Charakter in einer Szene mit
seiner Frau und seinem Bruder Ludwig - einem humanen, stets vermittelnden Ordensritter -
entwickelt und verständlich gemacht wird (3. Szene). In diesen Gesprächen wird auch ein
Teil der historischen Fakten eingebracht. Die Sage von der Burg Freudenberg - in die 4.
Szene eingebaut - steht als Metapher für den Wunsch des Grafen nach einem Erben und dem
realgeschichtlichen Ablauf (Kinderlosigkeit), sowie dem Begehren nach Machterweiterung (in
der Sage: Kampf mit Collenberg) und der historisch mehrfach nachweisbaren Streitsucht des
Asmus. Die Verwendung des Symbolgehalts der Sage für das Stück betrachten die Verfasser
als legitimes interpretatorisches Vorgehen, denn die Sage enthält einen psychologischen
,,Wahrheitskern", der eine Weitertradierung verdient.
Vom Dramaturgischen her liegt der Höhepunkt des Stücks in der 5. Szene, wo Burg und
Rathaus in einem Festakt eingeweiht werden. Diese Szene ist bezüglich des Personals und
der Utensilien die aufwendigste. Die Person des Natalis (Seher, Nachtwächter) ist eine
erfundene Figur, die neben historischem Geschehen auch die Umbruchsituation der Zeit
vermitteln soll. Die Bürger tragen z.T. historische Namen nach der Chronik
von Eugen Mai, sind aber mehr als Typen (z.B. Schiffer, Bader, Wirt, Steinhauer) zu
verstehen. Die Auseinandersetzung des Burgherrn Asmus mit Rüd von Collenberg ist
historisch zwar nicht belegt, Schwierigkeiten zwischen den Grafen von Wertheim und dem
Geschlecht der Rüdt sind aber anhand von Quellen für diese Zeit nachzuweisen. Die
vorletzte Szene bringt die Geschehnisse zwischen dem Fest (1499) und dem Angriff Asmus auf
Grünsfeld (1504) ein. Sie ist quasi ein retardierendes (aufschiebendes) Moment: zum
letzten Mal scheint sich Asmus seinen Traum vom Machtgewinn erfüllen zu können. Die 7.
und letzt Szene beinhaltet Asmus' letztendliches Scheitern und seinen Tod (1509).
Das Ziel des Stückes liegt in der Darstellung eines eng begrenzten Ausschnitts von Heimatgeschichte - teilweise auch regionaler Geschichte, - die historisch gesicherte Eckdaten aufgreift und berücksichtigt, aber in der Umsetzung und dramatischen Gestaltung des Stoffs von dichterischer Freiheit Gebrauch macht.