hannes02.jpg (18267 Byte)Burgfestspiele Freudenberg am Main 1989

"Pfeiferhannes"

von Hans Dieter Schmidt

Auf dem Dorfplatz in Niklashausen tanzen zur Musik des Viehhirten Hans Beheim an einem Frühlingssonntag einfache Menschen. Der radikal gesinnte Tagelöhner Wenzel verteidigt Mechthild, die in Hans verliebt ist, gegen die Angriffe einiger Dorfbewohner, die sie als "Fremde" mißachten.
Auch die eifersüchtige Margret sucht die Mechthild schlecht zu machen. Als ein Wandermönch daherkommt und wegen des baldigen Endes der Zeiten die Menschen zur Buße und Umkehr aufruft, sieht sich Hans angesprochen. In Wertheim hatte er schon eine ähnliche Predigt gehört, und beim Viehhüten war ihm der Gedanke gekommen, daß eine grundlegende Änderung seines Lebens notwendig sei. Der Dorfpfarrer nutzt die Betroffenheit des Hans dazu aus, etwas zur Wiederbelebung der seit Jahren zurückgegangenen Wallfahrt zum Gnadenbild in der Dorfkirche zu Niklashausen zu unternehmen. Er redet ihm ein, die Muttergottes habe ihm einen besonderen Auftrag hierfür erteilt. Allen Einwänden der skeptischen Mechthild zum Trotz zerstört Hans seine Pauke und ermahnt seine Zuhörer zur Umkehr.
Als Bischof Rudolf von Scherenberg von einer Firmreise auf Burg Marienberg in Würzburg eintrifft, informiert der Vikarius, seine ,,rechte Hand'', ihn über die Ereignisse in Niklashausen. Der Bischof entschließt sich, den Schreiber als Beobachter dorthin zu schicken. Inzwischen werden die Nachbarstädte in einem Sendschreiben zum gemeinsamen Kampf gegen Hans Beheim, die ,.leichtfertige Person'', aufgerufen.
Bald darauf ziehen immer mehr Wallfahrer ins Taubertal. Mechthild freilich argwöhnt, daß es für Hans ,,nicht gut ausgehe". Wenzel und der Pfarrer glauben, auf Hans keinen geringen Einfluß zu haben, sie rufen ihm Stichworte zu, als er eine große Predigt beginnt. Aber Hans löst sich mehr und mehr von fremden Einflüsterungen, er begreift. daß es um seine und des gemeinen Mannes Sache geht. So ruft er die Zuhörer auf, am nächsten Wochenende ohne Frauen und Kinder zu kommen, dafür aber mit Sensen und Hacken bewaffnet. Mechthild hat mittlerweile den Schreiber in der Menge als Spitzel entdeckt. Aber auch die von Eifersucht erfüllte Margret beobachtet ihn und bietet ihm an zu verraten, in welchem Haus der Hans die Nacht verbringen werde. Die Mechthild müsse freilich auch "dran glauben.''
Der Schreiber, mit nützlichen Aufzeichnungen von seiner Spitzeltätigkeit zurückgekommen, wird beauftragt, Hans gefangen zu nehmen. Die Gefangennahme geschieht kurz darauf. In einem Wirtshaus werden Hans, Wenzel und Mechthild überrascht und unter Anführung des Schreibers mit Hilfe von bischhöflichen Reisigen in Gewahrsam genommen.
Auf der Burg Marienberg ruft der Bischof seine Richter zusammen und läßt im voraus das Urteil vorbereiten. Beim Verhör des Hans bittet er sich Milde aus, weil er erfahren möchte, ,,wer dahintersteckt" und Hans für sich gewinnen will. Während Hans vom Richter vernommen wird, beobachtet der Bischof den Vorgang. Um Hans wegen Ketzerei verurteilen zu können, versucht man herauszufinden, ob die heilige Jungfrau ihm alles ,,eingegeben'' habe. Aber Hans schweigt. Das veranlaßt den Richter, ihn foltern zu lassen. Der Bischof, darüber erzürnt, greift ein und spricht selbst mit dem Angeklagten, für dessen Haltung er ein gewisses Verständnis aufzubringen sucht. Er erklärt, man könne ihn in Würzburg ,,gebrauchen'', denn ,,er befand sich auf einem außerordentlichen Weg. Es war der Weg der Heiligkeit". Als Hans auch ein letztes Angebot des Bischofs ausschlägt, wird das vorbereitete Todesurteil über ihn gesprochen. Jedoch selbst im Kerker will man noch ein Geschäft mit Hans machen Der Schreiber, der schon Material für seine Chronik sammelt, bietet Hans dafür, daß er ein paar Fragen ,,für die Nachwelt'' beantworte, ein Zusammentreffen mit Mechthild an. Hans läßt sich darauf ein und erfährt von der verängstigten Mechthild, daß man Wenzel hingerichtet hat. Draußen vor den Mauern haben sich Waller versammelt, die die Freilassung des Hans fordern. Schüsse der Burgbesatzung beenden das Ganze. Der Henker tritt ein. Hans ruft diesen zur Solidarisierung auf. ,,Zusammen können wir's doch machen!'' Doch es ist zu spät. Hans wird zum Scheiterhaufen geführt. ,,Fangt's jetzt net erst an?"sind seine letzten Worte.

Zurück zur Homepage von Freudenberg am Main