Burgfestspiele Freudenberg am Main
1989von Hans Dieter Schmidt
Auf dem Dorfplatz in Niklashausen tanzen zur Musik des Viehhirten Hans
Beheim an einem Frühlingssonntag einfache Menschen. Der radikal gesinnte Tagelöhner
Wenzel verteidigt Mechthild, die in Hans verliebt ist, gegen die Angriffe einiger
Dorfbewohner, die sie als "Fremde" mißachten.
Auch die eifersüchtige Margret sucht die Mechthild schlecht zu machen. Als ein
Wandermönch daherkommt und wegen des baldigen Endes der Zeiten die Menschen zur Buße und
Umkehr aufruft, sieht sich Hans angesprochen. In Wertheim hatte er schon eine ähnliche
Predigt gehört, und beim Viehhüten war ihm der Gedanke gekommen, daß eine grundlegende
Änderung seines Lebens notwendig sei. Der Dorfpfarrer nutzt die Betroffenheit des Hans
dazu aus, etwas zur Wiederbelebung der seit Jahren zurückgegangenen Wallfahrt zum
Gnadenbild in der Dorfkirche zu Niklashausen zu unternehmen. Er redet ihm ein, die
Muttergottes habe ihm einen besonderen Auftrag hierfür erteilt. Allen Einwänden der
skeptischen Mechthild zum Trotz zerstört Hans seine Pauke und ermahnt seine Zuhörer zur
Umkehr.
Als Bischof Rudolf von Scherenberg von einer Firmreise auf Burg Marienberg in Würzburg
eintrifft, informiert der Vikarius, seine ,,rechte Hand'', ihn über die Ereignisse in
Niklashausen. Der Bischof entschließt sich, den Schreiber als Beobachter dorthin zu
schicken. Inzwischen werden die Nachbarstädte in einem Sendschreiben zum gemeinsamen
Kampf gegen Hans Beheim, die ,.leichtfertige Person'', aufgerufen.
Bald darauf ziehen immer mehr Wallfahrer ins Taubertal. Mechthild freilich argwöhnt, daß
es für Hans ,,nicht gut ausgehe". Wenzel und der Pfarrer glauben, auf Hans keinen
geringen Einfluß zu haben, sie rufen ihm Stichworte zu, als er eine große Predigt
beginnt. Aber Hans löst sich mehr und mehr von fremden Einflüsterungen, er begreift.
daß es um seine und des gemeinen Mannes Sache geht. So ruft er die Zuhörer auf, am
nächsten Wochenende ohne Frauen und Kinder zu kommen, dafür aber mit Sensen und Hacken
bewaffnet. Mechthild hat mittlerweile den Schreiber in der Menge als Spitzel entdeckt.
Aber auch die von Eifersucht erfüllte Margret beobachtet ihn und bietet ihm an zu
verraten, in welchem Haus der Hans die Nacht verbringen werde. Die Mechthild müsse
freilich auch "dran glauben.''
Der Schreiber, mit nützlichen Aufzeichnungen von seiner Spitzeltätigkeit
zurückgekommen, wird beauftragt, Hans gefangen zu nehmen. Die Gefangennahme geschieht
kurz darauf. In einem Wirtshaus werden Hans, Wenzel und Mechthild überrascht und unter
Anführung des Schreibers mit Hilfe von bischhöflichen Reisigen in Gewahrsam genommen.
Auf der Burg Marienberg ruft der Bischof seine Richter zusammen und läßt im voraus das
Urteil vorbereiten. Beim Verhör des Hans bittet er sich Milde aus, weil er erfahren
möchte, ,,wer dahintersteckt" und Hans für sich gewinnen will. Während Hans vom
Richter vernommen wird, beobachtet der Bischof den Vorgang. Um Hans wegen Ketzerei
verurteilen zu können, versucht man herauszufinden, ob die heilige Jungfrau ihm alles
,,eingegeben'' habe. Aber Hans schweigt. Das veranlaßt den Richter, ihn foltern zu
lassen. Der Bischof, darüber erzürnt, greift ein und spricht selbst mit dem Angeklagten,
für dessen Haltung er ein gewisses Verständnis aufzubringen sucht. Er erklärt, man
könne ihn in Würzburg ,,gebrauchen'', denn ,,er befand sich auf einem außerordentlichen
Weg. Es war der Weg der Heiligkeit". Als Hans auch ein letztes Angebot des Bischofs
ausschlägt, wird das vorbereitete Todesurteil über ihn gesprochen. Jedoch selbst im
Kerker will man noch ein Geschäft mit Hans machen Der Schreiber, der schon Material für
seine Chronik sammelt, bietet Hans dafür, daß er ein paar Fragen ,,für die Nachwelt''
beantworte, ein Zusammentreffen mit Mechthild an. Hans läßt sich darauf ein und erfährt
von der verängstigten Mechthild, daß man Wenzel hingerichtet hat. Draußen vor den
Mauern haben sich Waller versammelt, die die Freilassung des Hans fordern. Schüsse der
Burgbesatzung beenden das Ganze. Der Henker tritt ein. Hans ruft diesen zur
Solidarisierung auf. ,,Zusammen können wir's doch machen!'' Doch es ist zu spät. Hans
wird zum Scheiterhaufen geführt. ,,Fangt's jetzt net erst an?"sind seine letzten
Worte.