Burgfestspiele Freudenberg am Main
1993von Hans Dieter Schmidt
Inhalt:
Die Hexenseuch', die allenthalben im Lande grassierte, hatte auch gegen Ende des 16. Jahrhunderts Freudenberg am Main erreicht und in der jungen Witwe Magdalene ein Opfer gefunden. Rasch entstand eine Atmosphäre der Verdächtigungen und Verfolgungen. Gerüchte breiteten sich aus, und die junge Frau wurde vom Volk in eine ,,Hexenrolle" hineingetrieben. Bald geriet auch ihre alte Muner, die einmal Hebamme war - und solche Frauen waren in besonderer Weise gefährdet - in Verdacht, eine Hexe zu sein. Die Hysterie wurde so groß, daß sich beide Frauen, weil sie glaubten dadurch ihre eigene Haut retten zu können, gegenseitig der Hexerei und Teufelsbuhlschaft beschuldigten. Der damalige protestantische Pfarrer und die weltliche Obrigkeit nahmen sich ,,auf ihre Weise" der Sache an: Ein graflicher Richter, ein Ankläger und ein Fürsprech reisten an, um einen Prozeß zu inszenieren, dessen Ausgang von Anfang an feststand: Die Hexen müßten brennen! Rettungsversuche, beispielsweise durch den Ratsschreiber' und Mahnungen zur Vernunft halfen nicht. Der Aufschrei am Ende der ,,Hexenseuch"', erst aus unserer Zeit herübertönend, kommt zu spät.
Dramaturgische Absicht
Das Stück von Hans Dieter Schmidt will nicht einfach
dokumentarisches Theater sein, es wird keine dramaturgisch aufbereitete Geschichtsstunde
gehalten. Die Handlung ist in fünfzehn Szenen aufgeteilt: Auftritte des Volks und
Dialogszenen wechseln einander ab, nicht wenige Personen sprechen Mundart,
Musikeinblendungen dienen der dramaturgischen Vertiefung.
In einer Rahmenhandlung wird verdeutlicht, wie das Ereignis unmittelbar aus dem Volk
hervorgeht und schließlich dort auch wieder ein überraschendes Echo findet. Dadurch ist
Gelegenheit gegeben, aktuelle, heutige Bezüge sichtbar zu machen: Auch heute gibt es
,,Hexenverfolgungen" aller Art, auch heute feiern Ignoranz und Irrationalismus
gefährliche Triumphe, auch mitten in Europa.