Burgfestspiele Freudenberg am Main
1991von Carl Zuckmayer
Inhalt
Im ganzen Hunsrück ist in der napoleonischen Zeit Johann
Bückler bekanntgeworden: Er gilt als Mann des Volkes, als Freund der Armen und Feind der
reichen Geschäftemacher. Als verwegener Räuberhauptmann hat er eine Bande um sich
gesammelt, mit der er gegen Kriegsgewinnler und Reiche, aber auch die französischen
Invasoren eine Art Privatkrieg führt. Das Volk hält zu ihm.
Auf vier Akte verteilt wird in bunten Bildern die Geschichte des Schinderhannes
vorgeführt. Man erlebt mit, wie er, zunächst unerkannt, im Gasthaus "Zum grünen
Baum" sitzt und einem Lied über ihn selbst lauscht. Es wird von Julchen Blasius
gesungen, die bald seine Geliebte wird. Die Gendarmen sind hinter ihm her, aber
gelegentlich gelingt es ihm, ihnen ein Schnippchen zu schlagen und einige von Ihnen zu
entwaffnen. Julchen hat Angst um ihn, aber er kümmert sich nicht um ihre Warnungen. So
unternimmt er einen Handstreich auf ein Detachement der französischen Rheintruppen.
Die Franzosen haben einen Steckbrief gegen ihn erlassen: Fünftausend rheinische
Goldgulden winken demjenigen, der den Schinderhannes tot oder lebendig ausliefert.
Julchen, die ihn von seiner Aktion zurückhalten will, wird von ihm zurückgestoßen. Sie
verläßt ihn für einige Zeit. Überhaupt steht es jetzt schlecht um den Schinderhannes.
Die Bevölkerung ist seit dem Erlaß des Steckbriefs ängstlich geworden und hält sich
zurück. Auch einige Mitglieder der Bande sind über den Rhein gegangen und haben sich bei
den Preußen anwerben lassen. Der Schinderhannes bleibt zurück, sucht Julchen und findet
sie schließlich wieder. Sie hat ihm einen Sohn geboren, über den der Schinderhannes sehr
glücklich ist.
Hannes geht wie seine Kumpane auf die rechte Rheinseite und will in kaiserliche Dienste
treten. Er ist der Meinung, der französische Steckbrief gelte hier nicht. Zwei frühere
Bandenmitglieder verraten ihn. Er wird verhaftet und als ,,politischer Verbrecher"
zum Tode verurteilt. Im Holzturm zu Mainz wartet er auf seine Hinrichtung. Ganz Mainz ist
auf den Beinen, man sagt, es seien fünfzehntausend Menschen gekommen. Das erfüllt ihn
mit Stolz und ist ihm ein Trost. Er weiß, daß er weiterleben wird im Andenken des
Volkes.