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Burgfestspiele Freudenberg am Main 1999

"Der Tabakkrieg"

von Reinhold Massag

Nach dem spektakulären Erfolg von "Fracasse", einer Farce, die 1997 in einer neuen Fassung auf der Freudenburg zur Aufführung kam, wandt sich der Burgschauspielverein in der Spielzeit 1999 wieder einem Stück zu, dessen Inhalt der eigenen Geschichte entnommen war.

Vor hundert Jahren war Freudenberg eine arme, von Handwerk und Landwirtschaft geprägte Kleinstadt. Der Weinbau war zum Erliegen gekommen, die schwere Arbeit in den Steinbrüchen bedeutete für viele Männer den frühen Tod. Der Erste Weltkrieg brachte zusätzliche Not. In dieser Situation sollte der Tabakanbau das schlimmste Elend lindern helfen. Im Jahr 1918 ließ eine gute Tabakernte wirtschaftlichen Aufschwung erwarten. Um dem Preisdiktat der Deutschen Tabakhandelsgesellschaft zu entgehen, gründeten die Freudenberger eine eigene Genossenschaft, die den Tabak direkt vermarkten wollte.

So wurden im Frühjahr 1919 einhundert Zentner Tabak unter falschem Etikett nach Miltenberg gebracht. Dort aber wurde die Ladung beschlagnahmt. Jemand hatte verraten, dass die Freudenberger Geschäfte auf eigene Rechnung - vorbei am festgesetzten Tabakpreis – machen wollten. Daraufhin zogen die Freudenberger kurzentschlossen über die Landesgrenze nach Miltenberg . Dort besetzten sie in einer Nacht- und Nebelaktion Rathaus, Amtsgericht und Polizeistation und holten sich ihren Tabak gewaltsam zurück. Nach diesem Erfolg war der Jubel in Freudenberg groß, die Beteiligten wurden als Helden gefeiert. Doch das gerichtliche Nachspiel ließ nicht lange auf sich warten.

Der Autor Reinhold Massag beließ es in seinem Stück aber nicht bei der Darstellung dieser äußeren Handlung. Verwoben in die Geschichte um den Tabak ist das persönliche Schicksal des jungen Soldaten Steffel, der sich als spätheimkehrender Revolutionär in seinem Heimatort nicht mehr zurechtfindet. Gezeigt wird an der gescheiterten Liaison von Steffel und der Jüdin Janne das gespannte Verhältnis zwischen Juden und christlichen Bürgern am Beginn der Weimarer Republik. außerdem wird die finanzielle und soziale Not, insbesondere der Frauen, deren Männer im Krieg gefallen oder durch ihre Arbeit in den Steinbrüchen umgekommen waren, beleuchtet. So entsteht ein Bild der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation des frühen 20. Jahrhunderts in Freudenberg.

Regie und Ausstattung lagen wieder in den bewährten Händen von Dominik Neuner, Operndirektor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden.

Wegen seines tragischen Todes zwei Wochen vor der Premiere konnte der Autor Reinhold Massag die Uraufführung seines Werkes nicht mehr erleben. Der Burgschauspielverein, insbesondere alle an der Aufführung Beteiligten widmeten dem Autor die gesamte Spielzeit 1999 in Respekt und tiefer Dankbarkeit.

Aufführungstermine waren:

25. / 26. / 27. Juni 1999 02. / 03. / 04. Juli 1999 09. / 10. / 11. Juli 1999

Zu Bildern von der Aufführung von "Der Tabakkrieg"