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Warum heißt die Hindenburgstraße weiterhin Hindenburgstraße?
Zur Entscheidung:
Im Juni 2025 erteilte der Gemeinderat der Stadt Freudenberg der Stadtverwaltung den Auftrag zu prüfen, ob die Hindenburgstraße umbenannt werden sollte.
Seitens der Stadtverwaltung wurde recherchiert und abgewogen, welche Möglichkeiten es im Umgang mit diesem Straßennamen gibt. Die diversen Formen, von Umbenennung bis Belassung, würden geprüft und dem Verwaltungsausschuss vorgelegt
Im Herbst 2025 diskutierte der Verwaltungsausschuss Stadt Freudenberg die Thematik kontrovers und beschloss dem Gemeinderat zu empfehlen die Straße nicht umzubenennen sondern mittels eines Zusatzschildes zu erläutern, warum man sich für die Belassung des Straßennamens entschieden hat. Am 13.04.2026 hat der Freudenberger Gemeinderat in öffentlicher Sitzung entschieden:
Der Straßenname bleibt bestehen und der Entscheidungsprozess wird dargelegt. Ein Informationsschild mit einem QR-Code, der auf die Webseite der Stadt Freudenberg führt, erläutert den Entscheidungsprotess und ordnet die Namensgebung der Straße historisch ein.
Warum wurde diese Entscheidung getroffen?
- Transparenter Umgang mit der Geschichte: Der Gemeinderat möchte die Vergangenheit nicht „unsichtbar“ machen. Eine Umbenennung könnte den Eindruck erwecken, es habe diese Zeit in Freudenberg nie gegeben. Stattdessen setzen wir auf Aufklärung.
- Rücksicht auf die Anwohner: Die Menschen, die in der Hindenburgstraße leben, haben sich einstimmig gegen eine Umbenennung ausgesprochen. Eine Namensänderung hätte für sie nicht nur bürokratischen Aufwand, sondern auch Kosten zur Folge gehabt.
Durch die hier praktizierte Lösung über den QR Code Informationen abzurufen, wird der berechtigten Kritik am Straßennamen Rechnung getragen und die historische Entwicklung der Namensnennung aufgezeigt werden.
Zur historischen Einordnung
Paul von Hindenburg:
1925 wurde Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt. 1932 drängten die Parteien der Weimarer Koalition den inzwischen 84jährigen zur erneuten Kandidatur, um die Wahl Hitlers zum Reichspräsidenten zu verhindern.
Im zweiten Wahlgang wurde Hindenburg am 10. April 1932 mit Unterstützung der SPD, der Linksliberalen und der Zentrumspartei wiedergewählt.
Nicht einmal ein Jahr später, am 30. Januar 1933, ernannte Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler und erließ die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“. Am 24. März folgte das sog. Ermächtigungsgesetz, das Hitlers Weg in die Diktatur ebnete. Nach dem Tod Hindenburgs am 2. August 1934 übernahm Hitler das Amt des Reichkanzlers und des Reichspräsidenten.
Warum gibt es eine Hindenburgstraße in Freudenberg
Die Benennung der Straße ist eng mit der dunkelsten Zeit unserer Geschichte verknüpft:
März 1933: Nur zwei Monate nach der Machtübernahme forderte die NSDAP-Ortsgruppe Freudenberg, Adolf Hitler und Paul von Hindenburg zu Ehrenbürgern zu machen und Straßen nach ihnen zu benennen. Man solle die Lindtalstraße nach Adolf Hitler umbenennen und „die von der seitherigen Lindtalstrasse gegen die Villa Gareis ziehende Strasse“ (solle) künftig den Namen „Hindenburg Allee“ führen.
Der damalige Gemeinderat setzte dies innerhalb von nur zwei Tagen um. (Die Akte Signatur StAWt K-G 20 A 618 im Landesarchiv Baden-Württemberg).
Eine offizielle Rücknahme der beiden Straßennamen ist in den Protokollen des Gemeinderates nicht nachzuweisen, allerdings wird bereits in der Sitzung vom 12.09.1949 über die Erweiterung der Wasserleitung in der „Lindtalstraße“ gesprochen.
Mit der Entscheidung für ein Zusatzschild und digitale Informationen per QR-Code geht die Stadt Freudenberg einen Weg der aktiven Erinnerung: Wir verschleiern die Geschichte nicht, sondern erklären sie direkt vor Ort. So bleibt das Bewusstsein für die historische Verantwortung unserer Stadt lebendig.