Projekt Hochwasserschutz Freudenberg: Stadt Freudenberg am Main

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Projekt Hochwasserschutz Freudenberg

Hauptbereich

Hochwasserschutzbau und Stadtentwicklung

Die Planung eines Hochwasserschutzes führte zu neuen Herausforderungen.

Da die Lage der historischen Altstadt direkt an den Main heranreicht, sollten hier zeitgleich baulich erforderliche Änderungen durchgeführt werden. Ebenso war die Grundsatzidee, die Häuserseite zum Main attraktiv für Wohninteressenten zu machen. Das Ziel war, vorhandene Gebäude zu revitalisieren und das Wohnen in der Altstadt lebenswert zu machen.

Das sogenannte Mainviertel stellt den ältesten Teil der Stadt dar. Hierbei handelt es sich um eine an die mittelalterliche Stadtmauer anschließende Bebauung, die im Laufe der Jahrhunderte durch Umbauten, Erweiterungen, Schuppen und Garagen die Schönheit der historischen Ansicht verändert und teilweise überdeckt hat. Dieser historische Stadtteil sollte im Zuge der Hochwasserschutzmaßnahmen wieder zum Vorschein kommen und die einzigartige Stadtansicht wieder hergestellt werden.

Diese Überlegungen wurden von den Anliegern gerne angenommen und ein Gesamtkonzept erstellt.

Dieses umfasste

  • Komplettabriss der Nebengebäude vor der Stadtmauer
  • Neuordnung der Eigentumsverhältnisse in nutzbare Einheiten
  • Neubau von Terrassen und Nebengebäuden vor der Stadtmauer
  • Sanierung/Umbau der Wohnhäuser hinter der Stadtmauer
  • Neugestaltung der Freianlagen vor der Stadtmauer

Diese Maßnahmen sollten kostengünstig durchgeführt werden, damit den interessierten Eigentümern dies auch finanziell möglich ist. Daher wurden bei den Neubauten modulare Elemente verwendet, alle Planungen wurden eng mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt, um die Gesamtanlage entsprechend dem Denkmalschutz zu erhalten bzw. wieder zum Vorschein zu bringen.

Hierfür erhielt die Stadt Freudenberg den Bauherrenpreis 2000-2006 für Zukunftsfähige Stadterneuerung.

Quelle: "Innerorts" Zukunftsfähige Stadterneuerung in Baden-Württemberg

Herausgeber: Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer Baden-Württemberg

Bau eines Hochwasserschutzes in Freudenberg am Main

Hochwasserschutz Freudenberg: Die Stadt Freudenberg am Main liegt im Main-Tauber-Kreis, der zum Bundesland Baden-Württemberg gehört. Sie befindet sich direkt an der Landesgrenze zu Bayern und wird von einem engen Tal umschlossen, welches bergseits dicht bewaldet ist. Der Odenwald und der Spessart bilden eine natürliche Umgebung um das Maintal, wobei der Main in der Mitte die Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern bildet.

Freudenberg wurde bereits im Jahre 1200 gegründet (ehemaliger Name Lullingscheid) und ist geprägt durch einen historischen Altstadtkern, der nach und nach im Laufe der Jahrhunderte erweitert wurde. Bedingt durch die direkt am Main liegende Altstadt wurde die Stadt seit jeher vom Hochwasser getroffen.

Regelmäßig wurden große Teile der Altstadt, Vorstadt und der Neustadt überschwemmt und große Teile der Infrastruktur beschädigt:

1970 richtete ein 25jähriges Hochwasser große Schäden an. Der errechnete Schadenswert betrug 900.800 DM (= 460.572 Euro).

1995 erreichte es sogar eine Wasserspiegelhöhe von 130,40 m über dem Nullpunkt, somit nur knapp 86 cm unter dem Wert eines hundertjährigen Hochwassers. Hierbei wurde die Stadt 3 Tage komplett von der Außenverbindung abgeschnitten, die Straßenverbindungen waren unpassierbar. Die Schäden betrugen ca. 700.000 Euro.

1998 entstanden durch das Hochwasser große Schäden an der Infrastruktur: Altstadtbereich, Radwege, Spielplätze und viele Gebäude wurden in Mitleidenschaft gezogen.

In den Jahren von 2001 – 2003 kam es zu insgesamt 5 Hochwasserereignissen in Freudenberg.

2003 – kurz vor Beginn der Hochwasserschutzbaumaßnahmen – trat wieder ein überraschendes Hochwasser auf, welches zu sehr großen Schäden an Einrichtungen und Gebäuden anrichtete. Alleine an städtischen Gebäuden entstand ein Sachschaden in Höhe von 300.000 Euro. Ein ortsansäßiges Unternehmen erlitt einen Schaden in Höhe von 800.000 Euro, zusätzlich wurden 14 weitere Betriebe betroffen, von denen keine Werte vorliegen.

Die Entscheidung für den Bau eines Hochwasserschutzes wurde aufgrund der Lage von Freudenberg getroffen, die ein dringendes Handeln erforderte, um die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern und weitere Schäden abzuhalten. Um die landschaftliche Schönheit und das historische Stadtbild möglichst zu erhalten, entschied man sich für eine Kombination aus stationärem und mobilen Hochwasserschutz. Die Sicht auf den Main sollte erhalten werden, ebenso der Zugang an die Mainwiesen. Das Landschaftsbild sollte durch den Bau des Hochwasserschutzes nicht negativ beeinflusst werden, da Freudenberg ein anerkannter Erholungsort ist und durch seine natürliche Umgebung einen hohen Freizeit- und Erholungswert hat.

Der Bau der stationären Hochwasserschutzanlage wurde in 2 Bauabschnitte gegliedert. Baubeginn BA I war 2003, BA II 2006. Abgeschlossen wurde der Bau des Projektes 2008.

Die stationäre Anlage sollte sich harmonisch in das Landschaftsbild einfügen und gleichzeitig seine Schutzfunktionen kurzfristig ausführen können. Dies ist hier in Freudenberg sehr gut gelungen. Die zusätzlichen mobilen Hochwasserschutzelemente können bei Bedarf aufgebaut werden und kann bis zu einer Höhe von 3,5 m aufgestellt werden – somit ist auch ein Schutz gegen ein 100jähriges Hochwasser möglich. Der Aufbau kann innerhalb von 6 Stunden erfolgen, sodass anhand der Hochwasservorhersagen, die 20 Stunden vorher von der Hochwasservorhersagezentrale erfolgen. Ein reibungsloser und problemloser Ablauf ist hierdurch gewährleistet.

Das Grundwasser des Maines wird durch ein zusätzliches Pumpwerk im Bereich der Mainbrücke abgepumpt.

Der Hochwasseraktionsplan Main fordert, bedrohte Gebiete zu schützen, wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist. Freudenberg am Main verbindet die Verkehrsstrecke zwischen Wertheim und Miltenberg, ebenso durch die Brücke die bayrischen Gemeinden Collenberg, Dorfprozelten bis Faulbach. Die Verkehrsanbindung ist für die örtlichen Betriebe lebensnotwendig, da Umfahrten durch LKWs teilweise nicht möglich bzw. nur unter einem großen Zeitaufwand zu bewältigen sind.

Im Jahre 2003 wurde mit dem Bau der Hochwasserschutzanlage begonnen. Der Bau wurde in zwei Abschnitte gegliedert, um einen reibungslosen Bauablauf dieses Großobjektes zu gewährleisten. BA I – Bereich bis Brücke BA II - Brücke bis Ende Firma Rauch

Fertigstellung: 2008

Technische Erläuterungen / Finanzierung BA I

Das Hochwasserschutzprojekt gliedert sich in 3 Bauabschnitte:

  • Stadteingang und Altstadt mit rd. 470 m Länge
  • Vorstadt mit rd. 220 m Länge
  • Neustadt und Firma Rauch mit rd. 490 m Länge.

Nach Untersuchung von 4 Varianten wurde in Abwägung von Kosten und Wirtschaftlichkeit sowie mit der Maßgabe der Erhöhung des Grundschutzes und dem Erreichen der Maximalschutzhöhe eines Bemessungshochwassers, das sich am derzeitigen statistischen 100- jährlichen Mainhochwasser orientiert, folgende Variante gewählt: 

Stadteingang
Auffüllung eines Teilgeländes bis zu einem rd. 25- jährlichen Hochwasserschutzgrad. Diese Fläche dient insbesondere der Baustelleneinrichtung für den 1. und 2. Bauabschnitt. 

Altstadt
Anhebung des Geländes (Mainwiese) um rd. 1,95 m. Damit wird ein erster Grundschutz in der Größenordnung eines statistischen 7- jährlichen Hochwassers mit rd. 1.200 m3/s erreicht.

Als Trennelement zwischen der Mainwiese und dem künftigen Angriffsweg werden 70 cm hohe Poller erstellt, die in einem Abstand von 2,50 m das Einbringen von Dammbalken ermöglichen. Dieser zweite Grundschutz sichert gegen ein Hochwasser von rd. 1.770 m3/s, welches statistisch alle 25 Jahre überschritten wird.

Um den statistisch 100-jährlichen Schutzgrad zu erreichen werden Stahlstützen mit 1,70 m Höhe auf den Pollern angebracht, die dann mit Dammbalken ausgefacht werden. Dies bedeutet Hochwasserschutz bis zu einer Hochwasserführung des Mains von 2.360 m3/s. 

Vorstadt
Der Schutz der Vorstadt erfolgt in gleicher Weise wie der Schutz der Altstadt. 

Neustadt
Fa. Rauch Der Grundschutz in diesem Abschnitt wird durch die Errichtung einer Stahlbetonmauer für ein 25- jährliches Hochwasser erreicht. Auf der Stahlbetonmauer erstellte Stützen mit einer Höhe von 1,30 m und Dammbalken als Ausfachung ergeben den Schutzgrad eines statistischen 100- jährlichen Hochwassers.

Binnenentwässerung
Zur Reduktion des Qualmwassers, das im Hochwasserfall vom Main unter den Hochwasserschutzwänden dem zu schützenden Bereich zufließt, werden Spundwände in die stark durchlässigen Bodenschichten eingerammt. Für den Nichthochwasserfall werden sog. Grundwasserfenster offen gehalten, die dazu dienen, dass das anfallende Hangwasser weiterhin ungestört dem Main zufließen kann. 

Das noch anfallende Qualmwasser sowie das Hangwasser werden im Hochwasserfall in einer Dränleitung gefasst und über ein Pumpwerk in den Main abgeschlagen. Die Binnenentwässerung ist so ausgelegt, dass im zu schützenden Bereich beim Hochwasserfall der Anstieg des Grundwassers über Geländeniveau verhindert wird.

Ortskanalisation und Kläranlage
Die Realisierung des ersten Abschnitts der Hochwasserschutzmaßnahme erfordert Anpassungen der Ortskanalisation und der Kläranlage. Um den ordnungsgemäßen Betrieb der Abwasseranlagen bei Hochwasser zu gewährleisten, sind auf der Kläranlage Hochwasserschutzvorkehrungen wie Hochwasserschutzwände, Hochwasser- und Zulaufpumpwerke sowie Umbauten am Regenüberlaufbecken erforderlich.

Im rückwärtigen Bereich sind im Bereich der Hochwasserschutzmaßnahmen Kanalsanierungen, Außengebietswasserableitungen und Regenentlastungen durchzuführen bzw. umzubauen. 

Finanzierung
Zur Realisierung des 1. Bauabschnittes des Hochwasserschutzes sowie für die Maßnahmen im Abwasserbereich hat die Stadt Freudenberg Fördermittel nach den Förderrichtlinien Wasserwirtschaft beim Regierungspräsidium Stuttgart beantragt. Die Förderbescheide wurden am 15. Juli 2003 durch Herrn Regierungspräsident Dr. Andriof der Stadt Freudenberg überreicht.

  • Förderung Hochwasserschutzeinrichtung Bauabschnitt I (Stadteingang und Altstadt) Gesamtkosten rd. 6 Mio. €, Fördermittel rd. 4 Mio. € (70 % der Gesamtkosten)
  • Förderung Abwasserbereich, Gesamtkosten rd. 2,5 Mio. €, Fördermittel rd. 1,7 Mio. € (69,5 % der Gesamtkosten).

Aufgestellt: Künzelsau, 03.03.2004 

Gewässerdirektion Neckar Bereich Künzelsau