Stadt Freudenberg am Main

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Stadt Freudenberg

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Mainvorland mit Hochwasserschutz

Beispielhaftes Bauen

Architektur

 

Auszeichnungsverfahren
"Main-Tauber-Kreis 2004 - 2010"

 

Neugestaltung Mainvorland im Rahmen des Hochwasserschutzes mit städtebaulicher Neuordnung des Stadtmauerbereichs des Mainviertels

 

Mainstraße 97896 Freudenberg

Architekt: wiechers beck gesellschaft von architekten mbH Berlin

 

Bauherr: Stadt Freudenberg, Bürgermeister Heinz Hofmann

 

 

 

Begründung der Jury:


Ein langer, dem Flussverlauf des Mains folgender Bogen bildet das Rückgrat des Freiraumkonzepts. Technische Maßnahmen des Hochwasserschutzes wurden mit hohem gestalterischem Anspruch umgesetzt, Uferbereiche als vielfältig bespielbare Grünflächen entwickelt, eine neue Promenade als autarkes Band angelegt. Spannungsvoll ergänzt wird dieses Band durch die rhythmische Folge aus kleinen Baumreihen, Stufen und Aussichtskanzeln. Die vor der sanierten Stadtmauer errichteten neuen Nebengebäude mit Dachterrassen schaffen individuelle Freiräume. Das gemeinsam mit den Bewohnern entwickelte Konzept überzeugt: Der Beitrag stärkt die Standortqualität für Wohnen und Naherholung, Stadtkante und Landschaftsraum werden geschickt miteinander verknüpft. 

Objektbeschreibung:

 

Vor Errichtung des Hochwasserschutzes wurde Freudenberg regelmäßig von Hochwassern heimgesucht, durch die große Teile der Alt- und Neustadt überschwemmt wurden. Mit dem Bau eines Hochwasserschutzes wurde die Voraussetzung geschaffen für die Entwicklung der Altstadt. Parallel zum Bau des Hochwasserschutzes wurde das Mainvorland neu gestaltet.

 

 

Der realisierte Hochwasserschutz ist für ein 100jähriges Hochwasser ausgelegt. Eine rein technische Lösung hierfür hätte den Bau einer ca. vier Meter hohen Stahlbetonmauer zwischen Stadt und Fluss bedeutet. Um dies zu vermeiden, wurde eine alternative Lösung entwickelt, die den natürlichen Charakter des Freudenberger Mainufers und die Beziehung zwischen Stadt und Fluss erhält.
Die bestehende Mainstraße und das Mainvorland wurden angehoben. Dies ist möglich, da die hinter der Stadtmauer liegenden Gebäude über dem jetzigen Straßenniveau liegen. Damit wird ein stationärer Grundschutz von HQ 7 gewährleistet. 

 

Der Grundschutz kann durch mobile Elemente bis zu einer Höhe von HW 100 erhöht werden. Die Mainwiese wurde ähnlich der Ausgangssituation erhalten, der Hochwasserschutz in die Landschaft integriert. Im Rahmen der für den Bau des Hochwasserschutzes notwendigen Tiefbauarbeiten wurden die Oberflächen der bestehenden Außenräume größtenteils zerstört, so dass eine komplette Neugestaltung des Mainvorlandes vorgenommen wurde. Bewusst wurde eine integrierte Lösung zwischen technischem Hochwasserschutz und Stadtsanierung gesucht.

 

Innerhalb der Neugestaltung erhielt die Stadt eine Uferpromenade, die Teil eines überregionalen touristischen Weges ist. Entlang dieses Weges entstanden öffentliche Freiräume, die für die Bewohner der eng bebauten Altstadt von großer Bedeutung sind.


Der zentrale öffentliche Freiraum innerhalb der Altstadt bildet der sogenannte Maingarten. Um trotz der geringen Einwohnerzahl Freudenbergs eine „urbane Dichte“ zu schaffen, wurden mehrere unterschiedliche Nutzungen/Bereiche im Rahmen des Maingartens kombiniert: Biergarten, Pavillon für Veranstaltungen, Wasserspielplatz, Schachspiel, Bouleplatz, Brunnenplatz, Schürfung Eismauer mit Ausstellung, Kinderspielplatz, Rosengang, Sitznischen. Durch das Angebot von Gastronomie-, Spiel- und Aufenthaltsflächen ist der Maingarten für unterschiedliche Nutzergruppen attraktiv. 

 

Der Maingarten hat sich seit der Fertigstellung zu einem urbanen Treffpunkt entwickelt.

Das Anlegen des Maingartens wurde möglich durch Verschieben der Hochwasserschutzlinie in Richtung Main und dem Bau einer Kaimauer im Bereich zwischen Maingasse und der historischen Eismauer. Der zentrale Bereich des Maingartens basiert auf einer rechteckigen Grundfläche und ist an den Längsseiten räumlich gefasst: stadtseitig durch einen Rosengang, mainseitig durch eine Reihung geometrisch geschnittener Linden. Durch den Schnitt der Linden bleibt der Blick in das Maintal unverstellt. Die einzelnen Nutzungsbereiche reihen sich entlang der Promenade. Die Nutzungsbereiche wechseln mit Rasenflächen und befestigten Aufenthaltsbereichen. Rhythmisiert wird die Reihung der Flächen durch streifenförmige Rosenbeete. Blickpunkte im Maingarten bilden der Brunnen und der Pavillon, die in der Achse der Gartenanlage stehen. 

Den südlichen Abschluss bildet der Biergarten, der durch einen Baumsolitär und einen Pavillon akzentuiert wird. 

Den nördlichen Rand bildet ein durch eine Böschung abgegrenzter Bereich, in dem die historische Höhenentwicklung des Mainvorlandes thematisiert wird. Der tiefer liegende Bereich, der über Treppen erschlossen ist, zeigt das Geländeniveau vor dem Bau des Hochwasserschutzes. 

Im Bereich der historischen Eismauer gelangt man über eine Treppe auf das Niveau des Mainvorlandes zum Zeitpunkt der Errichtung der Eismauer. Hier erfährt der Besucher plastisch die gewaltige Höhe historischer Hochwasser. Eine Außenausstellung ergänzt den geschichtlichen Rundgang mit Informationen über die Stadt Freudenberg.

 

Fotograf:

Kneippbecken: Christian Beck

alle anderen: Mila Hacke

 

 

 

 

 

Neugestaltetes Mainvorland

Durch die Baumaßnahmen Hochwasserschutz - Neugestaltung Mainvorland - Stadtsanierung konnte der im Laufe der Jahrhunderte unattraktiv gewordene Altstadtwohnbereich aktiviert werden. Die Umbauten und Landschaftsveränderungen wurden unter Berücksichtigung der heutigen Bedürfnisse vorgenommen und sind heute ein Anziehungspunkt für Bewohner und Gäste.

 

Für Interessierte und Gästegruppen können Führungen durch das Tourismus- und Kulturbüro erfolgen.

Fotos: Franz Hofmann