Burgmodell: Stadt Freudenberg am Main

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Burgmodell

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Modell von Ludwig Weiser

Herr Ludwig Weiser, Geschichtslehrer an der Berufsschule Wertheim, hat die Freudenburg in unzähligen Arbeitsstunden maßstabsgetreu nachgebaut. Auch das Erscheinungsbild der Freudenburg vor der Beschädigung im Markgrafenkrieg wurde von Herrn Ludwig Weiser akribisch erforscht. Hierbei konnte Herr Weiser sein berufliches Wissen als Geschichtslehrer mit seinem Hobby verbinden. Mindestens 50 Mal war er auf der Freudenburg gewesen und hat die noch vorhandenen Bauwerke vermessen.

Anhand von Plänen und Baubefunden hat er in aufwendiger Kleinarbeit die nicht mehr existierenden Bauten rekonstruiert und anschließend detailgetreu gebaut. Der Modellbau einer Burg ist eine zeitaufwendige und intensive Arbeit, die viel Feinarbeit voraussetzt und eine Umsetzung in ein Modell ist erst nach entsprechender Vorarbeit möglich. Diese Vorarbeiten setzen vielfältige Arbeitsbedingungen voraus, die vor Beginn sorgfältig recherchiert und nachgewiesen sein müssen. Erst wenn alle Details zusammengetragen sind, ist ein Modellbau möglich.

Herr Ludwig Weiser beschäftigt sich intensiv mit seinen Modellen und ihrer Detailtreue. Seine Werke bereichern das Grafschaftsmuseum in Wertheim auf einzigartige Weise. Die Stadt Freudenberg am Main bedankt sich ganz herzlich für sein Engagement!

Burgmodell im Grafschaftsmuseum

Im Dezember 2015 wurde von Herrn Ludwig Weiser ein von ihm gebautes Burgmodell der Freudenburg an das Grafschaftsmuseum Wertheim übergeben.

Copyright: Franz Hofmann

Pressebericht FN - Katharina Gabel - Mittwoch, den 09.12.2015

Historie: Wertheimer lässt Freudenburg aus 1827 Teilen auferstehen / Seit gestern ist das Modell im Grafschaftsmuseum ausgestellt Burgbaumeister im Miniatur-Maßstab Er ist Forscher, Handwerker und sicher auch ein Tüftler.

Ludwig Weiser erweckt in seiner Garage längst verfallene Bauten zu neuem Leben. 

Ludwig Weiser erläuterte Oberbürgermeister Stefan Miculicz und Museumsleiter Dr. Jörg Paczkowsi am Dienstag sein Modell der Freudenburg. "Der Zeitaufwand ist ablesbar in der Qualität der Arbeit", stellte der OB anerkennend fest. Paczkowski hob die wissenschaftliche Akribie heraus, mit der Weiser das Modell umgesetzt hat. Seine Freude wurde sogar noch gesteigert, als Weiser dem Museumsleiter mitteilte, bereits den Bau einer vierten Burg - der Burg Breuberg - vorzubereiten.

Wertheim/Freudenberg. Über eine Wippbrücke reitet der Graf in seine Burg. Erasmus von Wertheim steigt ab, durchschreitet den Eingang. Vor ihm erheben sich das Pallasgebäude und das sogenannte "steinerne Haus". Die Fachwerkhäuser sind weiß getüncht. Dahinter, gleichsam eingefasst in hohe Mauern, thront der Burgfried. Von der alten Pracht der Freudenburg ist heute nichts mehr erhalten. Nur die Ruine erinnert leise an die vergangene Zeit. Doch wenn Ludwig Weiser die Burg betrachtet, erwacht sie für ihn zu neuem Leben. "Ich kann gar nicht anders", sagt der 63-Jährige.

Das Bild in seinem Kopf wollte der Lehrer nicht für sich behalten. Drei Jahre hat Weiser gearbeitet, seit gestern ist sein Modell im Maßstab 1:150 im Wertheimer Grafschaftsmuseum zu sehen. Das Interesse für mittelalterliche Gebäude wurde in Weiser von seinem Vater geweckt. Als junger Mann wandte er sich dem Studium der Neueren Geschichte zu, die alten Bauten blieben jedoch stets sein Hobby. Schon damals baute Weiser Burgruinen nach.

Und dann kam Wertheim: "Ich bin 1993 hierhergezogen und hatte gleich heimatliche Gefühle", erinnert sich Weiser. Über die Jahre reifte die Idee, Burg Wertheim nachzubauen. Ab 2005 - Weiser hatte beruflich etwas Luft - setzte er das Vorhaben um. Seit 2008 steht die Burg im Maßstab 1:200 im Grafschaftsmuseum. Mit der Stadtprozeltener Henneburg folgte eine weitere Burg der Alten Wertheimer Grafschaft.

Die Geschichte der Freudenburg und ein Wunschprojekt Der Bergfried ist der älteste und gleichzeitig auffälligste Teil der Freudenburg. Der untere Teil des "Butterfassturms" entstand 1197 unter dem Würzburger Bischof Heinrich III. und unterstrich den Machtanspruch der Würzburger. Nach dem Tod des Bischofs im Jahr 1197 ruhte der Bau fast 30 Jahre. Um 1287 - damals waren schon die Grafen von Wertheim Lehnsherren der Burg - wurden die Bautätigkeiten fortgesetzt. 1333 erhielt Freudenberg, die Siedlung am Fuß der Burg, das Stadtrecht. Nachdem sie durch eine Erbschaft an Macht gewonnen hatten, bauten die Grafen von Wertheim die Burg 1361 zum Wohnsitz um. 1497 fällt Freudenberg an Graf Erasmus von Wertheim. Er lässt die Burg ausbauen und erweitern: Die Burg wird zur Festungsanlage, außerdem entsteht ein prachtvoller Renaissancebau. Erasmus bewohnt die Burg und grenzt sich so von seinem Bruder Michael ab, der in Wertheim residiert. Da Erasmus im Jahr 1509 kinderlos stirbt, geht die Burg zurück in den Besitz seines Bruders. Die glanzvollen Zeiten der Burg sind vorbei - der Verfall der Anlage setzt ein. 1556 sterben die Grafen zu Wertheim aus. Das Lehen fällt zurück an das Bistum Würzburg und später an die Herrschaft von Löwenstein-Wertheim. Das Interesse an der Burg versiegt völlig. Als Retter der Burg trat schließlich eine "Burginitiative" auf, die die Freudenburg ab 1983 restaurierte. 1987 erhielt die Burg den Staatspreis für vorbildliche Sanierung. Am 2. Juli 1995 wurde die Burg offiziell Eigentum der Stadt Freudenberg.

Burgführungen sind nach Anmeldung möglich.

Infos unter Telefonnummer09375 920090 oder per E-Mail an touristinfo(@)freudenberg-main.de.

Das Modell der Freudenburg ist zu den üblichen Öffnungszeiten im Wertheimer Grafschaftsmuseum zu sehen. Dort sind auch die Modelle der Burg Wertheim und der Henneburg ausgestellt, die Ludwig Weiser dem Museum ebenfalls als Leihgaben überlassen hat. Für sein Traumprojekt, die Wertheimer Altstadt darzustellen, wie sie im Mittelalter ausgesehen hat, sucht Weiser Mitstreiter mit Durchhaltevermögen und Geduld. Interessierte können sich beim Grafschaftsmuseum melden. Quelle: Stadt Freudenberg "Ein Modell zu bauen, ist äußerst kompliziert", betont Weiser. Exakt soll die Nachbildung sein und bis ins Detail historisch korrekt. "Wenn ich feststelle, dass ich etwas nicht realistisch wiedergeben könnte, dann lasse ich es", verdeutlicht Weiser. Aus diesem Grund werde er nie ein Modell der Burg Schweinberg bauen können: die Zerstörung ist zu groß und die Quellenlage zu dünn.

Um der Geschichte auf die Spur zu kommen, leistet der 63-Jährige mitunter Detektivarbeit. Er liest sich in die einschlägige Literatur ein und stöbert in Archiven nach Originalquellen, die Aufschluss über die Burgen geben können. Im Fall der Freudenburg hatte Weiser Glück: Die Datenlage ist aufgrund der Sanierung der Burg in den 1980er Jahren gut.

"Die Stadt Freudenberg hat mich auf großzügigste Weise unterstützt", sagt der 63-Jährige. 21 Ordner stellt der Stadtbaumeister im Jahr 2012 seinem "Modellkollegen" für die Recherche zur Verfügung. In den Ordner findet Weiser Pläne der Architekten und Statiker, die ihm die Arbeit erleichtern. Aber: "Ich musste den Architektenplan für einen Historiker umsetzen."

Über 50 Mal fährt Weiser in den folgenden drei Jahren den Hügel zur Freudenburg hinauf. Er fotografiert, untersucht Teil für Teil, vermisst Mauern und Wände, nimmt das Höhenprofil ab. Wie ein Bergsteiger klettert er den Bergfried empor - anders ist der Turm nicht mehr zugänglich. Weiser deutet Putzspuren auf den steinernen Mauern. Er findet heraus, dass auf dem Kanonenturm ein kegelförmiges Dach gewesen sein muss. Zuhause in der Garage, in der noch nie Platz für ein Auto war, folgt die Handarbeit. Auf der Hobelbank seines Großvaters breitet Weiser die Pläne aus. Mit der Laubsäge schneidet er filigrane Bauteile aus Sperr- und Balsaholz, oft kommt auch die Schleifmaschine in Einsatz.

Das Talent für die Arbeit mit Holz liegt Weiser im Blut. Seit Jahrhunderten sind seine männlichen Vorfahren Schreinermeister. "Wenn ich an meinem Modell arbeite, werde ich ganz ruhig. Die kleinen Sorgen verschwinden mit der Konzentration." 1827 Einzelteile fertigt der Lehrer in seiner Werkstatt an: Allein im Kanonenturm sind 43 Stücke verbaut.

Weisers Liebe fürs Detail geht so weit, dass er die exakte Anzahl der Steine des Burgfrieds abbildet - allesamt kratzt er mit einem Furnierwerkzeug in den Gips, mit dem er das Holz zuvor bestrichen hat. Für den runden Kanonenturm dehnt Weiser eingeweichtes Balsaholz um eine Flasche. Im Burghof stehen winzigkleine Holzfässer und ein Eimerchen - feine Drechselarbeiten. In die Fenster der Wohnbauten hat Weiser winzige Butzenglasscheiben aus Folie gesetzt. Die Struktur des Mauerwerks entstand mit Hilfe eines selbst gemachten Stempels. Rechte Winkel sucht man am Modell vergebens. Wie in der echten Freudenburg sind die Wände nicht zu hundertprozent gerade. Jede Einzelne hat der 63-Jährige zurechtgebogen. Korrekter geht es nur mit der CNC-Maschine. Mit solchen computergesteuerten Fräsen würden Modelle wie das der Freudenburg üblicherweise hergestellt, sagt Weiser. "Aber wissen Sie was? Da fehlt die Seele."

© Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 09.12.2015